Erfahrungsbericht

Burkhard aus Jesteburg (Niedersachsen),
Administrator  dieses Forums

Es war Anfang Mai (2013) als wir uns nach einem längeren Auslandsaufenthalt auf unser kleines, gemütliches Einfamilenhäuschen und die Annehmlichkeiten der Zivilisation freuten.  Unser Abholer vom Flughafen versuchte uns kurz vor Erreichen unseres „zu Hause“ darauf vorzubereiten, dass wir inzwischen „Besuch“ gehabt hätten, aber wohl nur etwas Modeschmuck fehlen würde. Der Einbruch hatte am Wochenende vor unserer Rückkehr stattgefunden und es befand sich alles noch in dem Zustand, wie ihn die am nächsten Tag gerufene Polizei nach der Spurensicherung verlassen hatte: Die Wäscheschränke waren von den Ganoven auf der Suche nach geheimen Verstecken ausgeräumt, die Schubladen in allen Zimmern standen offen und zwei Fenster hatten erhebliche Beschädigungen durch den Einbruchsvorgang. Vandalismus hatte nicht stattgefunden und auch einige dekorative Skulpturen, die wir von Reisen mitgebracht hatten, standen noch unverrückt an ihrem Platz.

Im Wäscheschrank befand sich ein kleiner aber schwerer Safe, den die Polizei für unberührt hielt, da er verschlossen war. Die Ganoven hatten aber den in einem anderen Raum ziemlich gut versteckten Schlüssel zielsicher gefunden und den Safe dankbar geleert und ihn dann wieder ordentlich verschlossen. Den Schlüssel haben sie dann achtlos auf einen Wäschestapel geschmissen, von dem er zwischen Handtücher gerutscht ist, so dass ihn die Polizei nicht sehen konnte.
Hierzu war dann bei dem Besuch des zuständigen Kriminalbeamten eine Korrektur fällig, denn es fehlte nicht nur einiger Modeschmuck, sondern der gesamte „echte“ Schmuck, den sich meine Frau in über vierzigjähriger, erfolgreicher beruflicher Tätigkeit angeschafft hatte, und der nun Bestandteil unserer Altersvorsorge sein sollte. Hinzu kommen Uhren und Manschettenknöpfe von mir.

Die Kriminellen sind bei der Auswahl des Diebesgutes äußerst versiert vorgegangen. Sie haben lediglich wertvolle Teile mitgenommen und Unechtes oder nur Dekoratives verschmäht. Nach Auskunft des Kommisars ist das die unverkennbare Handschrift professioneller Einbrecher-Banden, die ausschließlich an hochwertiger „Handelsware“ interessiert sind. Vandalismus ist da unnötige Zeit- und Energieverschwendung.

Aussichten von den gestohlenen Dingen je etwas wieder zu sehen, sind eher gering einzuschätzen. Das Diebesgut wird entweder umgehend ins Ausland weitergeleitet oder es wird eingeschmolzen oder sonst wie unkenntlich gemacht, und an andere „Spezialisten“ der Organisation weitergereicht. Spuren, die eine Identifizierung ermöglichen würden, sind selbstverständlich nicht vorhanden. Lediglich soviel; es waren wohl zwei Personen im Haus tätig und eine vor dem Haus als Wache.

Vorerst können wir materiell auch mit leerem Tresor weiterleben. Der Wertverlust wird sich erst zum Ende unserer Tage auswirken. Es war geplant, wenn wir unsere körperliche Selbstbestimmung verloren haben, uns ein wenig mehr Menschenwürde in der Pflege „kaufen“ zu können. Den Tätern werden diese Werte vorerst einen Lebensstil ermöglichen, auf den sie nie wieder verzichten werden wollen.-

Alle Einbruchspuren sind beseitigt. Natürlich wurde unverzüglich aufgeräumt und gründlichst saubergemacht, als könne man das Eindringen dieser zu tiefst verachtenswerten Menschen und ihre Anwesenheit  ungeschehen machen. Sie haben nicht nur materielle Werte entwendet, sie haben auch wichtige Emotionen, die mit dem eigenen Haus verbunden sind, zerstört: Die Gewissheit der Sicherheit in diesen Räumen gibt es nicht mehr.

Auf unseren Reisen in alle Himmelsrichtungen, haben wir  immer ein gewisses Risiko vorausgesetzt. Es ist aber immer beherrschbar geblieben. Wir trafen eigentlich ausnahmslos zauberhafte, liebenswerte Menschen und auch in Konfliktsituationen gab es immer eine gute Lösung. Zu lernen, dass man dort, wo man sich sicher wähnt, am verwundbarsten ist, ist eine tiefgreifende Veränderung des Bewusstseins. - Das gute Gefühl in einem sicheren Land zu leben, erscheint nun als Illusion.

Wir erkennen, dass wir so ziemlich alles unterlassen haben, um das, was Begehrlichkeit hervorrufen könnte, auch zu sichern. Wir hatten keine Alarmanlage, wir haben die unmittelbaren Wertsachen nicht in ein Bankschließfach gelegt und wir sind auch nicht gegen Einbruchdiebstahl versichert. - Wir haben lediglich dafür Sorge getragen, dass Haus, Garten und Briefkasten den Alltagszustand vermitteln.
Die Alarmanlage ist jetzt eingerichtet, ein Bankschließfach benötigen wir nicht mehr und die Versicherung auch nicht.
Nun fragen wir uns, ob die Ganoven ihren Kollegen von der  Fachabteilung „Antiquitäten“ den Tip gegeben haben: da ist noch etwas Hübsches zu holen?

Generell wird das Bewusstsein jetzt von einem Sicherheitsstreben bestimmt, das mir bisher völlig fremd war: Mit Einbruch der Dunkelheit werden sämtliche Rolladen heruntergelassen und die Türverriegelung kontrolliert. Bei jedem Verlassen des Hauses und natürlich zur Nacht wird die Alarmanlage scharf gestellt, was jedes Mal den Anlass in Erinnerung bringt. - Das Verlassen des Hauses wird auf das Notwendigste reduziert. Einladungen bis in die Nacht hinein werden vermieden. Wir wissen nicht, in welchem Zustand wir das Haus wieder vorfinden.
Gedanken an ein neues Urlaubsziel wollen sich nicht einstellen. Auch des letzten Urlaubes zweiter Teil, die Nachlese und lebhafte Berichterstattung über all die unvergesslichen Erlebnisse sind in den Hintergrund verdrängt.

Erstaunlicherweise trifft man zunehmend Mitmenschen, die direkt oder aus dem unmittelbaren Bekanntenkreis von Einbrüchen berichten, als würden derartige Ereignisse zum täglichen Leben gehören.  - Selbst ein Handwerker, der sich sein Häuschen in der Nachbarschaft durch fleißige Arbeit hinstellen konnte, hat die Erfahrung eines Einbruches bereits zweimal machen müssen. - Unser Regionalanzeiger berichtet wöchentlich über Einbrüche oder sonstige Raub-Delikte.
Mit der Sensibilisierung der eigenen Erfahrung, sind das nicht mehr Informationen mit hohem Unterhaltungswert, sondern Aspekte veränderter Lebensbedingungen und man fragt sich, ob das unabänderlich ist.

Tatenlos hinnehmen zu müssen, dass sich Ganoven  risikolos aus unserem Hausstand bedienen, ist kaum erträglich. Also habe ich mich entschlossen, mich zumindest nachträglich gegen die Einbruchgefahr zu wehren. Das ist allerdings nur durch Allianzen erfolg- versprechend.  Allianzen mit denen, die ebenfalls diese Erfahrung gemacht haben. Und Zusammenwirken mit allen Multiplikatoren und Meinungsbildnern, die die bereits vorhandene bedrohliche Situation der Einbruchsdelikte weiter transparent zu machen, um Entscheidungsträgern den Handlungsbedarf zwingend zu verdeutlichen.